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Überlegungen: An welche Art Schule würden wir unsere Kinder schicken, wenn wir wählen könnten? Wir kaufen ja auch nicht das erstbeste Kleidungsstück, wenn sie neue Kleider brauchen oder das am leichtesten Erhältliche, wenn sie Hunger haben. Wir versuchen immer, das Beste für sie auszuwählen. Und wie ist das mit ihrer Erziehung und Schulbildung? Wie viele Gedanken verwenden wir auf diese Frage? Individualität und Zukunft: Die Waldorfpädagogik hat als Ziel, die Individualität zu entwickeln, die in jedem Kind lebt, sodass es eines Tages mit Selbstvertrauen seinen Platz in der Gesellschaft einnehmen kann, egal in welchem Beruf es dann schlussendlich tätig sein wird. Es ist keine Pädagogik, die sich an bestimmte soziale Klassen wendet oder an Kinder bestimmter intellektueller Fähigkeiten. Die Waldorfpädagogik integriert alle Kinder, egal welcher Herkunft, Konfession, Kultur etc Die neue „Freizeitnot“: In den vor uns liegenden Jahren werden die Kinder etwas mehr brauchen als reine Arbeit. Im Zeitalter, in dem via die Mechanisierung der Arbeitswelt durch die Technik und die Computerisierung vieler Arbeitsabläufe die wenigst nötige Arbeitszeit mit gleichzeitig größtem Wohlstand des Menschen angestrebt wird, werden die Menschen Probleme in ihrer Freizeit haben. Wir können uns ja wohl kaum vorstellen, dass sie auf die Dauer ihre Zeit sinnvoll aus- und erfüllen mit dem, was heute an sich ständig wiederholender Freizeitbeschäftigung angeboten wird. Sie werden auf die Dauer etwas Befriedigenderes suchen, werden es aber nur finden können, wenn sie es in ihrer Erziehung und Schulbildung kennen und schätzen gelernt haben.
Wie reagiert die Erziehung? Und hier stellt sich die große Frage der Erziehung: füllen wir nur ihre Köpfe mit einer Vielzahl an Informationen an, die sie sofort wieder vergessen, wenn der entsprechende Test vorbei ist? Oder geben wir ihnen große Ideen und Zusammenhänge über das menschliche Wesen und die Welt, die ihnen erhalten bleiben und sie auch weiter begleiten, wenn sie die Schule einmal verlassen haben? Rudolf Steiner hatte dazu eine klare Vision, als die Gründer der ersten Waldorfschule ihn 1919 um den Entwurf einer neuen Schulform baten. Ganzheitliche Pädagogik: Die Waldorfschule ist nicht sektiererisch oder konfessionell gebunden. Gleichzeitig während die Schüler lesen, schreiben und rechnen lernen, erfahren sie vom Lehrer anhand des Stoffes viel größere Zusammenhänge über den Menschen und die Welt, in der sie leben. Und dies auf eine Weise, dass ihre wissenschaftliche Neugier, ihr künstlerisches Empfinden und ihr religiöser Sinn angeregt werden. Es handelt sich um eine integrative Pädagogik im noch viel weiteren Sinn, als dieser Begriff heute oft gebraucht wird. Sie ist ganzheitlich und integrativ in ihrem Lehrplan, in der Auswahl der Schüler (diese werden in einem persönlichen Aufnahmeverfahren und nicht aufgrund von Testergebnissen aufgenommen) und in ihren Anschauungen.
Der Klassenlehrer: Der Klassenlehrer ist so viel wie möglich und so lange Jahre wie möglich mit seiner Klasse zusammen. Er vermittelt ihnen die elementaren Lerninhalte auf eine altersgemäße, lebendige und künstlerische Art und nutzt jede Gelegenheit, um die oben erwähnten größeren Zusammenhänge der Welt aufleuchten zu lassen. Er weiß um die Bedeutung, Lehrinhalte nicht zu früh zu vermitteln, sondern immer zu warten, bis die Kinder wirklich das Alter und die Reife haben, um diese Inhalte aufzunehmen. Der Lehrer hat dabei immer die kindlichen Entwicklungsschritte im Blick und ergänzt sie durch seine eigenen Wahrnehmungen. Keine Verfrühung: Es mussten Tausende von Jahren Zivilisation vergehen bis der Mensch Zugang haben konnte zu den technischen Errungenschaften der Gegenwart. Die Vergangenheit war die Vorbereitung für heute. Ebenso ist die Kindheit die Vorbereitung für den Erwachsenen von morgen. Die Erziehung ist der Prozess, die kindlichen Erfahrungen sich auf angemessenste Art entwickeln zu lassen. Die Kinder sollten dabei ihre Zeit für alles bekommen und kein Entwicklungsschritt sollte beschleunigt werden. Im anderen Falle kommt das Kind auf eine ihm mit Bezug auf sein ganzes weiteres Leben nicht zuträgliche Weise zu schnell im modernen Leben an. Schulreife: Sein Kind in die Schule zu schicken, bedeutet für manche Menschen nur eins: dass es den Prozess des Lesens, Schreibens und Rechnens beginnt. Aber es gibt eine Menge anderer Dinge, die ein Kind von vier oder fünf Jahren lernen muss, bevor es die intellektuelle Bildungskarriere beginnt. Es muss lernen, sich körperlich und sozial an seine neue Umgebung anzupassen. Und das bedeutet, dass alles was es tut und was mit ihm getan wird, den Erfolg seines weiteren Erziehungsweges beeinflussen wird. Das Kind bis zum Alter von sieben Jahren lebt in der Imitation, in der Fantasie und in der körperlichen und manuellen Aktivität. Und das mit gutem Grund, denn in dieser Zeit des ersten Jahrsiebtes baut das Kind bis in die letzte Zelle (Zellerneuerung erfolgt alle 7 Jahre) seinen ganz eigenen und mit der Mutter nicht mehr verbundenen physischen Leib auf. Mit Abschluss dieses Prozesses, der sich anhand des beginnenden Zahnwechsels zeigt, werden im Kind neue Kräfte frei, die nun für das Umgehen mit abstrakteren Inhalten zur Verfügung stehen. Konfrontiert man das Kind vorher mit diesen Inhalten, nimmt man ihm Kräfte, die es für seine physische Entwicklung braucht. Deshalb behandeln wir auch keine abstrakten Themen im Kindergarten und nehmen in der Waldorfschule im Normalfall Kinder erst im siebten Lebensjahr in die eigentliche Schule auf.
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