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Grupo Waldorf 2009/10 und 2010/11
Der gemeinsame Unterricht verschiedener Klassen, wie er in diesem Profil dargestellt wird, kann Veränderungen unterliegen, die von der Schülerzahl im jeweiligen Schuljahr abhängen.
Waldorfmehrklassenschule mit multikulturellem Hintergrund: Wir sind eine Mehrklassenschule mit multikulturellem Hintergrund auf der Grundlage der Waldorfpädagogik. Wir haben einen Kindergarten und führen die Schüler durch die erste bis sechste Klasse. Nach der sechsten Klasse treten unsere Schüler (wie auch die Schüler der öffentlichen Primaria) in das Instituto, die staatliche Oberstufe über. Auf diesen Uebertritt werden sie in der sechsten Klasse sorgfältig vorbereitet.
Geschichtliche und kulturelle Einflüsse auf die Schule: Als Teil einer der sieben kanarischen Inseln ist La Palma ein Ort, an dem viele verschiedene Kulturen zusammenfliessen. Die Palmeros stammen von den Spaniern und den schon vor diesen auf La Palma ansässigen Ureinwohnern, den Guanchen ab. Durch die Inselgeschichte, die auch Hungerperioden einschloss, gab es mehrere Perioden der Auswanderung der Palmeros nach Südamerika, u.a. Venezuela und Kuba. Zu späteren Zeitpunkten kehrten und kehren die Nachkommen dieser Auswanderer mit neuen kulturellen Einflüssen nach La Palma zurück. So unterliegt schon der spanische Anteil der Bevölkerung einer grossen kulturellen Vielfalt.
Seit mehreren Jahrzehnten finden nun auch Einwanderer aus Mitteleuropa hier eine bleibende oder zeitlich begrenzte Heimat. Diese kommen vor allem aus Deutschland und der Schweiz, aber auch aus allen anderen mitteleuropäischen Ländern und bringen wiederum ihre verschiedenen kulturellen Hintergründe mit auf die Insel. So wird La Isla Bonita zu einem Bild dessen, was im grösseren Stil überall auf der Welt immer mehr zu finden ist: ein kultureller Schmelztiegel mit den daraus resultierenden Fragen des respektvollen Zusammenlebens. Zusammenleben: Wir leben in einer Zeit der zunehmenden Globalisierung, sind mit der ganzen Welt via Internet etc verbunden und jederzeit –virtuell- kommunikationsfähig. Aber die Konflikte werden weltweit nicht weniger, sondern eher mehr. In unserer Schule tragen all die im vorhergehenden Abschnitt genannten kulturellen Einflüsse (mit einem grossen Anteil von Mitteleuropäern) zur bunten Vielfalt unserer kleinen Schule, aber auch zu vielen daraus resultierenden Fragen bei. Wir betrachten unsere Schule deshalb als einen Ort, wo die Kinder und mit ihnen ebenso die Erwachsenen das Zusammenleben nicht nur auf virtueller, sondern auf ganz lebenspraktischer Ebene üben und lernen können. Wie regeln die Lehrer einen Waldorfschultag, eine Woche, ein Jahr, wenn sie zwar alle einen Waldorfhintergrund haben, ihre Erfahrungen und ihre Berufspraxis aber von ganz verschiedenen Orten auf der Welt mit doch recht unterschiedlichen Gewohnheiten und Schwerpunkten mitbringen? Wie ist der Umgang der Kinder miteinander im Schulalltag und noch wichtiger in der Pause und wie finden sie sich, wenn diverseste Sprachen die Muttersprachen der verschiedenen Kinder bilden und verschiedenste häusliche Gewohnheiten in das Schulleben getragen werden? Wie finden die Eltern einen Konsens z.B. über Zeiten für Schulfeste, wenn diese Zeiten unterschiedliche kulturelle Gewohnheiten betreffen? Unser schulisches Zusammenleben bietet eine Fülle diversester Möglichkeiten der Friedens(selbst-)erziehung. Wir sind ein Ort, wo Fähigkeiten gut geübt werden können, die die Kinder in der Zukunft des „globalen Dorfes“ werden brauchen können. Unser schulischer Alltag findet auf der Grundlage der spanischen Sprache statt, da eines unserer grossen Ziele die gute Integration der Schule mit ihrem pädagogischen Zusatzangebot in die Insel ist. Die Waldorfpädagogik: Die Waldorfpädagogik stellt das Kind mit seinen entwicklungspsychologischen Entwicklungsschritten in das Zentrum ihres Curriculums. Aus der genauen Beobachtung dieser Entwicklungsschritte und der Angleichung der Unterrichtsinhalte an deren jeweilige Bewusstseinsverfassung ergibt sich ein für jedes Schuljahr anderes und differenziertes Curriculum, das sich auch methodologisch mit jedem neuen kindlichen Entwicklungsschritt wandelt. Der Unterricht Die Bedeutung der Künste und der Arbeit mit den Händen Die verschiedenen Künste und Handarbeit, sowie Werken spielen eine ganz wesentliche Rolle im Waldorfunterricht. Der Lehrer hat das Ziel, alle Unterrichtsinhalte auf künstlerische Weise zu vermitteln. Dieser künstlerische Ansatz, ebenso wie die Fächer Musik, Malen, Handarbeit, Werken und Theater bilden einerseits die Kreativität der Kinder in jeder Altersstufe und fördern auf der anderen Seite die ganzheitliche Entwicklung des kindlichen Gehirns. Kindergarten (3 bis 6 Jahre) In dieser kindlichen Entwicklungsphase leben die Kinder aus einer fast grenzenlosen Verbundenheit mit der Welt, die unmittelbar impulsierend auf ihren Willen wirkt. Wir unterstützen die gesunde und harmonische Entwicklung dieser Qualitäten auf vielfältigste Art. Wir bieten altersgemässe Räumlichkeiten, die nicht beschleunigend auf das kindliche Wachstum wirken. Wir respektieren den kindlichen Rhythmus und erlauben ihm, den Einklang mit Rhythmen in der Natur zu erleben.
In den Zeiten des Freispieles unterstützen wir die Entwicklung des Respektes der Kinder für einander. Ebenso bietet das Freispiel dem Kind den Raum für vielfältigste andere, individuellere Lernprozesse. Wir unterstützen die kindliche Kreativität durch Musik, Plastizieren mit Bienenwachs, Malen und Handarbeit. Häusliche Aktivitäten wie Brotbacken, Frühstück vorbereiten, Geschirr spülen, abwaschen, fegen, putzen und aufräumen haben neben der bildenden Wirkung noch einen Brückeneffekt, -sie bilden eine Brücke zwischen der Welt des Kleinkindes zuhause und der Welt des Schulkindes. In all diesen Aktivitäten lernen die Kinder ausserdem viele ganz grundlegende technische Prozesse anfänglich zu verstehen und handzuhaben. Dies gibt ihnen einerseits die Sicherheit, ein Stück der Welt zu durchschauen und andererseits das Erlebnis eigener Lernerfolge.
Primarschule:
1./2. Klasse Die Schüler dieser Altersgruppe befinden sich noch mehr oder weniger in einer ähnlichen Bewusstseinstufe, die man in Anlehnung an die Bewusstseinsentwicklung der Menschheit die „mythische Bewusstseinsstufe“ nennen könnte. So kann man auch im Unterricht in einer Doppelklasse dem waldorfpädagogischen Anspruch der methodologischen Angleichung an die jeweilige Bewusstseinsentwicklung des Kindes gerecht werden. Alle Lerninhalte dieser Altersstufe werden mit vielen Märchen, Geschichten, Fabeln und Legenden verbunden. Diese sind Bilder, die Nahrung für die kindliche Seele darstellen und auf künstlerische Weise die intellektuellen Lernprozesse einhüllen. 3./4. Klasse Ein erster Bruch im kindlichen Bewusstsein ereignet sich, der in waldorfpädagogischer Terminologie „Rubikon“ genannt wird. Der Rubikon ist ein Fluss in Italien, den Cäsar beim Angriff auf Rom überschritt im Bewusstsein, dass es danach „kein Zurück“ mehr gab. So überschreiten auch die Kinder im 9. Lebensjahr eine Bewusstseinsgrenze, die mit einer mehr oder weniger ernsten Krise des Kindes einhergeht. In der dritten Klasse treten sie in diese Krise ein, im Laufe der vierten Klasse wird sie überwunden. Die Unterrichtsinhalte beider Klassen wirken in Inhalt und Methodik heilend auf diese spezielle kindliche Bewusstseinskrise, so z. B. „Die Handwerke“ oder „Der Hausbau“ oder „Heimatkunde“. In dieser Altersstufe wird das kind auch zum ersten Mal mit einer anfänglichen Biologie des Menschen und der Tiere bekannt gemacht. So wird bei uns auch die dritte und vierte Klasse in einer gemeinsamen Gruppe, aber mit jeweils verschiedenen klassenspezifischen Unterrichtsinhalten geführt. 5. Klasse: Nach der Krise des Rubikons tritt eine erneute Harmonisierung in der kindlichen Entwicklung ein. Die Kinder befinden sich in gewisser Weise auf dem Höhepunkt ihres Kindseins. Physisch tritt eine Harmonisierung im Verhältnis Puls – Atemfrequenz ein, der Körper entwickelt ausserordentlich harmonische, oft an griechische Statuen erinnernde Proportionen und die kindliche Seele nimmt nochmals mit Dankbarkeit und Freude und ohne grosse Zweifel die Schönheit der Welt auf, dies aber schon mit einem gereiften Verständnis des eigenen Menschseins. Die Unterrichtsinhalte dieser Klasse gehen ganz gezielt auf dieses harmonische Jahr mit den nochmals nach guten, schönen Unterrichtsinhalten fragenden Kinderseelen ein. So sind typische 5.-Klasslehrplaninhalte Pflanzenkunde, oder in Geschichte die alten Kulturen der Inder, Perser, Sumerer bis hin zu der Kultur der Aegypter und der Griechen. Diese Epoche (Unterrichtsblock) kulminiert mit dem grossen Abenteuer Alexander des Grossen. 6. Klasse: Die Kinder treten in die Vorpubertät ein. Heftig beginnen seelische Stürme, die sie noch gar nicht genau benennen können, die Jugendlichen umzuwirbeln. Der Körper fällt aus den harmonischen Proportionen des Vorjahres, die Bewegungen werden schlingernd wie die Seele. Alle selbstverständlichen Regeln gelten nicht mehr. Alles wird hinterfragt, angezweifelt, muss vom Lehrer mit seinen Schülern neu gegriffen werden. Nun beginnen im Waldorflehrplan neue Fächer wie Geologie und Physik oder Römische Geschichte (mit Schwerpunkt auf der Entwicklung der Römischen GESETZE) , den Jugendlichen neuen Boden, um sich zu finden zu geben. In der Escuela Libre San Miguel de La Palma findet in diesem Jahr ausserdem noch die Vorbereitung auf die staatliche Oberstufe statt. Dies bedeutet für unsere Schüler, eine zusätzliche Vielfalt an Unterrichtsinhalten zu studieren und zu lernen, die man in einer über die sechste Klasse hinausführenden Waldorfschule erst viel später und viel gründlicher lernen würde. Zusammenfassung: Das grosse Ziel, was sich in all dem Dargestellten ausdrückt, ist zum einen, die grosse Fähigkeit des Kindes, seine wunderbare Lernfreude zu pflegen, zu schützen und aufrechtzuerhalten, und zum anderen, den Kindern dabei zu helfen, sich auf friedliche Art mit den anderen Lebewesen der Welt in Beziehung zu setzen.
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