Waldorfpädagogik im Kindergarten

Die Waldorfpädagogik strebt in Bezug auf die Bildung der körperlichen, seelischen und geistigen Aspekte des Menschenwesens ein ganzheitliches Gleichgewicht an. Viele wissenschaftliche Studien in aller Welt belegen mittlerweile, dass jene Kinder langfristig bessere akademische und persönliche Entwicklungsergebnisse zeigen, in deren Erziehung sehr viel mehr Wert auf die Ausbildung der motorischen und künstlerischen Entwicklung gelegt wurden als auf die frühe Ausbildung intellektueller Fähigkeiten. In unserer Pädagogik bringen wir keine intellektuellen Konzepte an das Kind heran, bis dessen Gehirnentwicklung abgeschlossen ist und der Zahnwechsel beginnt ( mit ca. 7 Jahren). Die Lernaktivitäten im Kindergarten finden zum grössten Teil auf der Grundlage von künstlerischen Tätigkeiten statt wie Musik, Wasserfarbenmalen, Eurythmie, sowie Handarbeit und Bewegung, die sich rhythmisch im Wochen- und Jahresablauf wiederholen.

Im Freispiel haben die Kinder Räume zur Verfügung, die sie selbst mit einfachen Spielsachen wie z.B. Tüchern, Tannenzapfen und Holzklötzen zum jeweilig gewünschten Ambiente gestalten können. Heute entsteht so ein Eisenbahnzug aus Stühlen und anderen Acesoirs, in den alle einsteigen können und morgen entsteht ein Haus, in dem verschiedene Familienmitglieder und Tiere wohnen. So bietet das Freispiel viele Möglichkeiten des Lernens in der Gemeinschaft.

CIMG1611

CIMG1949

CIMG2081

IMG_1633


Die Beziehung zur Natur erlebt das Kind tagtäglich im jahreszeitengemäss gestalteten Reigen, in der Geschichte, im kleinen Puppentheater und im Betrachten des Jahreszeitentisches. Wöchentliche Spaziergänge vertiefen diese Erlebnisse ebenso wie das Feiern der Jahresfeste.

Dieses Erleben der Jahreszeiten gibt dem Kind ein Gefühl des Geborgenseins in einem grösseren Zusammenhang, die rhythmische Wiederkehr der Feste und Jahreszeiten vertieft dieses Erleben und entspricht einem tiefen Bedürfnis des Kindes. Das kleine Kind lebt mehr als jemals danach in seinem Leben in der zuverlässigen und rhythmischen Wiederkehr gehabter Erfahrungen.
Auch das Einhalten des wöchentlichen und des täglichen Rhythmus entspricht einem grundlegenden Bedürfnis des Kindes. Seelische Bewegungen des Ausdehnens und des Zusammenziehens werden im Tages- und Wochenrhythmus berücksichtigt, stellen sie doch ein Abbild des menschlichen und auch des irdischen Atmungsprozesses dar.

In der Kindergartenzeit lernen die Kinder durch Nachahmung. All ihre Spiele und Aktivitäten haben die Imitation von Tätigkeiten der Erwachsenen zum Inhalt. Durch einfache, ans praktische Leben angeschlossene Arbeiten entwickelt das Kind auch ein erstes noch ganz unbewusstes, grundlegendes Verständnis natürlicher und einfacher gestalterischer Prozesse.

Gleichzeitig mit der Ausbildung dieses ersten grundlegenden Verständnisses von Prozessen in der Welt, bauen wir auch eine subtile Brücke zwischen häuslicher und schulischer Umgebung. Im Kindergarten schaffen die Pädagogen ein im physischen, seelischen und geistigen Sinne wärmendes Klima, damit der Übergang Zuhause – Schule ein liebvoller und einhüllender Wechsel sein kann. So nehmen die Kinder auch im Kindergarten an häuslichen Aktivitäten teil, wie Frühstück zubereiten, spülen, bügeln, putzen... Die Räume sind mit warmen Farben und einfachen, aber qualitativ wertvollen Spielsachen (Naturmaterialien) eingerichtet.

IMG_1635

IMG_1637

kiga


Rudolf Steiner, der Begründer der Waldorfpädagogik hatte als höchstes Ziel, dass am Ende der Schulzeit freie Menschen die Schule verlassen, Menschen, die in der Lage sind, aus eigenem, unvoreingenommenen Urteil Entscheidungen von jedweder Tragweite zu fällen. Auf dem Wege zu diesem Ziel geht es im ersten Jahrsiebt vor allem um die Ausbildung von Fantasie und Kreativität.
Einige Aspekte, die das Kind in diesem Sinne fördern sind u.a. altersgemässe Räume, die seine Entwicklung nicht vorzeitig beschleunigen. Auch die Spielsachen sind Spielsachen, die das Kind überschauen und verstehen kann und - auf die Fantasie in vielfältiger Weise anregende Art- benutzen kann: Holzstücke, Tücher, Tannenzapfen, Bänder... Diese verwandeln sich im kindlichen Spiel in vielerlei verschiedene Objekte. Im Freispiel erfindet das Kind sein eigenes Spiel und verbindet sich dabei in freier Weise mit anderen Kindern. Zusammen schlüpfen sie in verschiedenste Rollen. Ein- bis zweimal täglich sind die Freispielzeiten in den Tagesablauf eingebaut. Andere Aktivitäten sind einfache Handarbeit mit verschiedensten Naturmaterialien, einfache Gartenarbeiten, freies Zeichnen mit Wachskreiden aus Bienenwachs, modellieren mit Bienenwachs, etc

So wird dem Vorschulkind der Raum zum Wachstum in der ihm eigenen Geschwindigkeit geschaffen. Es kann in dieser Zeit wirklich alle seine Kräfte für die Ausbildung seines physischen Leibes verwenden und es werden ihm keine Kräfte durch vorzeitiges intellektuelles Lernen geraubt. Wenn das Kind nun in die Schule eintritt, tut es das mit grossem Lernwillen und begeisterter Lernfreude, die wir mit der Waldorfpädagogik jedes Schuljahr neu pflegen und erhalten.

Das Siegerland im Pisatest lässt seine Schüler erst mit sieben Jahren in die Schule eintreten, ein Hinweis darauf, dass verfrühtes intellektuelles Lernen auf lange Sicht und im Allgemeinen zu schlechteren Ergebnissen führt. Andere wissenschaftliche Tests weisen auf denselben Zusammenhang hin. Der Waldorfweg ist ein Weg, der Schulversagen vermeiden hilft (was in Spanien mit jedem Jahr ein ernsteres und wachsenderes Problem wird) und bekämpft Lernmüdigkeit und Interesselosigkeit. Er ist ein Weg zu einer ausgeglichenen persönlichen Entwicklung.

 
  • Grupo Waldorf La Palma - Escuela Libre San Miguel
  • Grupo Waldorf La Palma - Escuela Libre San Miguel
Seitenaufrufe : 52699